Das "Massiv der Namen" (2019)

Massiv der Namen

Das "Massiv der Namen"

Im März 2019 wurde ein weiteres Denkmal zur Erinnerung an die jüdischen Opfer des Vernichtungsortes Maly Trascjanec fertiggestellt. Das "Massiv der Namen" auf dem ehemaligen Lagergelände listet die Namen der in Blahaǔščyna ermordeten europäischen Jüdinnen und Juden auf.

Sieben Jahre nach der österreichischen Bürgerinitiative im Wald von Blahaǔščyna fiel im Dezember 2017 von Seiten der österreichischen Bundesregierung die Entscheidung, ein österreichisches Denkmal für die Opfer des Holocausts in Maly Trascjanec zu errichten.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen beim Besuch der Gedenkstätte Maly Trascjanec. (2018)

Der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen beim Besuch der Gedenkstätte Maly Trascjanec im Jahr 2018. / Österreichische Botschaft Minsk

 

Die Bezeichnung des Mahnmals geht zurück auf die fast 1.000 einbetonierten Vornamen jüdischer Opfer aus Wien, die zwischen November 1941 und Oktober 1942 nach Minsk und dann weiter nach Maly Trascjanec deportiert wurden.1 Die wichtigste Quelle für diese Namensammlung waren die erhalten gebliebenen Transportlisten: Jeder Vorname, der auf den Transportlisten verzeichnet war, ist heute auf dem “Massiv” zu finden. Die Vornamen, die wiederholt auftauchten, wurden auf dem Denkmal nicht dupliziert.

Der symbolische erste Spatenstich für das Denkmal, das sich auf dem Gelände des ehemaligen Arbeitslagers nahe der Skulptur "Pforte der Erinnerung" befindet, folgte daraufhin öffentlich im Juni 2018 durch den Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen und den Altbundeskanzler Heinz Fischer.

Präsident Alexander Lukaschenko mit Bundeskanzler Sebastian Kurz bei der Einweihung des "Massiv der Namen"

Der österreichische Bundeskanzler a.D. Sebastian Kurz mit dem belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko bei der Einweihung des „Massivs der Namen“ im Jahr 2019. / Österreichische Botschaft Minsk

Die feierliche Einweihung des „Massivs der Namen“ folgte am 28. März 2019 durch Präsident Aljaksandr Lukaschenka und Bundeskanzler Sebastian Kurz.Die Errichtung des Denkmals war ein entscheidender Schritt für die bilateralen Beziehungen zwischen Österreich und Belarus. Gegenwärtig ist die Erinnerungsarbeit ein wichtiger Bestandteil der Diplomatie und prägt die Tätigkeit der österreichischen Botschaft in Minsk.3

Unter anderem die Historiker Sjargej Novikau und Yulia von Saal problematisieren, dass sich das Denkmal nicht bei der Exekutionsstätte im Wald von Blahaǔščyna befindet, sondern auf dem ehemaligen Lagergelände.4 Viele der aus Mitteleuropa deportierten Jüd:innen kamen nie im Lager an, sondern wurden direkt nach ihrer Ankunft in Blahaǔščyna ermordet. Ein weiterer Kritikpunkt besteht darin, dass im Gegensatz zu den aus Mitteleuropa deportierten Jüdinnen und Juden, die Namen der belarusischen Opfer nicht genannt werden; ihre Namen sind allerdings aufgrund fehlender Unterlagen unbekannt. Die Architektin Galina Levina hat deswegen vorgeschlagen das Mahnmal „Massiv der unbekannten Namen" zu nennen, um alle an diesem Ort ermordeten Jüdinnen und Juden einzuschließen. Die Kunstwissenschaftlerin Ekaterina Kenigsberg hingegen vertritt die Meinung, dass durch die ausschließliche Verwendung der Vornamen, sowieso alle jüdischen Opfer angesprochen würden.5 

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Vgl. Dalhouski, Zur Transformation des sowjetischen Gedenkortes, S. 128; Barton, Seine Bedeutung für Österreich, S. 35. 

Vgl. Wörgetter, Erinnerungsarbeit als Element der bilateralen Beziehungen, S. 150, 152.   

Vgl. Novikau/von Saal, Gebremstes Gedenken, S. 366.   

Vgl. ebd. S. 407. 

Vgl. Dalhouski, Zur Transformation des sowjetischen Gedenkortes, S. 128.