Einführung zur Ausstellung

"Wald der Namen"

Maly Trascjanec ist ein kleines Dorf, das sich nur wenige Kilometer südöstlich der belarusischen Hauptstadt Minsk befindet. Seine unscheinbare Umgebung entwickelte sich nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941 zu einem der größten Vernichtungsorte auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion.

Zwischen 1941 und 1944 wurden tausende jüdische Menschen, Partisan:innen sowie Mitglieder der sowjetischen Inteligenzija nach Maly Trascjanec verschleppt und auf grausame Weise ermordet. Doch trotz der Grausamkeit ist der Ort in der europäischen Erinnerungskultur nur wenig bekannt. Auch in der sowjetischen Erinnerung blieb er lange Vergessen.

Kurz nach der Befreiung von Belarus fanden einige Trauerkundgebungen auf dem ehemaligen Gelände des Lagers bei Maly Trascjanec statt. Bald wurde der Komplex aber wieder für andere Zwecke genutzt, verwahrloste und geriet in Vergessenheit. Die ersten Mahnmale entstanden in den 1960er Jahren in Maly Trascjanec, Vjaliki Trascjanec und im Waldstück Šaškoŭka. Am Ort der Exekutionsstätte im Wald von Blahaǔščyna wurde erst in den 2000er Jahren ein Gedenkstein plaziert. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erhielt das Gelände wieder verstärkte und vor allem auch internationale Aufmerksamkeit. Angetrieben von Bürgerinitiativen begannen die Planungen zur Errichtung einer Gedenkstätte mit dem Anspruch der Formation einer gesamteuropäischen Erinnerungslandschaft. Bis heute sind die Arbeiten an der Anlage nicht abgeschlossen.

Diese digitale Ausstellung soll Ihnen Einblicke in die Transformation des Vernichtungsortes Maly Trascjanec von seinem Platz im sowjetischen Erinnerungsnarrativ bis zur heutigen Erinnerungskultur geben. Eine interaktive Karte gibt einen Überblick über die Gedenklandschaft und die Erinnerungsobjekte. Einführende Texte zur Erinnerungskultur des Ortes liefern Rahmeninformationen. Im Fokus der Ausstellung stehen die Denkmäler, die, nach ihrer Errichtungszeit geordnet, die Entwicklung der Gedenkkultur darstellen.

In Kooperation mit der Geschichtswerkstatt Minsk wurde die Ausstellung von Ron Wilke B.A., Kristin Waßmann B.A. und Michelle Ostermaier, Studierende des Fachbereichs Geschichte der Universität Osnabrück, erarbeitet. Die Ausarbeitung erfolgte im Rahmen des Seminars "Vernichtungsort Malyj Trostinez. Von der Erschließung zur Vermittlung gewaltüberformter Orte der Shoah und des Vernichtungskrieges" unter Anleitung von Prof. Dr. Christoph Rass.

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