Maly Trascjanec zwischen 1944 und heute

Ausschnitt des Corona-Satellitenbilds des Areals rund um Maly Trascjanec vom 25. August 1963

Satellitenbild aus dem Jahr 1963: Der rote Kreis zeigt die Waldlichtung Blahaŭščyna und der grüne Kreis die Militärbasis

Ausschnitt des Satellitenbild des Areals rund um das Dorf Maly Trascjanec vom 16. August 2009

Satellitenbild aus dem Jahr 2009: Die Militärbasis wurde abgebaut (grüner Kreis), die Mülldeponie ist nicht mehr in Nutzung (blaues Rechteck) und die Waldlichtung Blahaǔščyna (roter Kreis) ist nahezu zugewachsen

Zwischen 1944 und heute veränderte sich das Gelände von Maly Trascjanec auf vielfältige Weise. Von der Transformation des Ortes durch die Außerordentliche Komission der Sowjetunion (ČGK) über die landwirtschaftliche Nutzung als Kolchose bis hin zur Errichtung einer Gedenkstätte war es ein weiter Weg.

Nach der Untersuchung des ehemaligen Lager- und Vernichtungsgeländes durch die ČGK im Juli 1944 wurde das Areal wieder als Teil einer Kolchose in die landwirtschaftliche Nutzung überführt. Obwohl es in den 1950er Jahren Bestrebungen lokaler Einwohner:innen gab, die eine Pflege des Andenkens an die Opfer von Maly Trascjanec durch die Behörden forderten, bemühte sich die Belarusische Sozialistische Sowjetrepublik (BSSR) nicht um die Etablierung einer Erinnerungskultur. Memorialisierungsversuche, die sich auf die Opfer des Vernichtungsortes bezogen, wurden lange ignoriert und das Areal landwirtschaftlich sowie militärisch genutzt.1

Durch den sogenannten Saukitens-Prozess rückte das ehemalige Lagergelände 1962 verstärkt in den Fokus von sowjetischen Behörden, die die Kriegsverbrechen bei Maly Trascjanec untersuchten.2 1961, 1963 und 1966 wurden am Ort der verbrannten Scheune, im Nachbardorf Vjaliki Trascjanec und bei Šaškoŭka erste Erinnerungsorte in Form von Gedenksteinen und einem Obelisken geschaffen. In den frühen 1990er Jahren wuchs mit der Erscheinung von "Ich wundere mich, daß ich noch lebe" von Paul Kohl das öffentliche Bewusstsein für Maly Trascjanec als Schauplatz des Holocausts auch in Mitteleuropa. Erst 2002 wurde ein Gedenkstein in Blahaǔščyna gelegt; die Waldlichtung war fast komplett zugewachsen.3 In den 2010er Jahren erfuhr der Ausbau des Gedenkens an Maly Trascjanec auch zunehmend Unterstützung der Regierung. Seit 2015 wird der ehemalige Vernichtungsort zu einer internationalen, großflächigen Gedenkstätte umgebaut.

Inhaltlich verantwortlich: Peter Kamp

_________

1 Vgl. Dalhouski, Transformation, S. 120f.

2 Vgl. IBB Dortmund/IBB Minsk, S. Vernichtungsort Trostenez in der europäischen Erinnerung, S. 173f.

3 Vgl. Dalhouski, Transformation, S.125.

Maly Trascjanec zwischen 1944 und heute