Die Entstehung einer Erinnerungskultur

Erst in den 1960er Jahren, knapp 20 Jahre nachdem die deutschen Truppen aus Maly Trascjanec zurückgedrängt wurden, begann sich der Ort erinnerungskulturell zu verändern. Geriet er vorher tendenziell in Vergessenheit – hier ist etwa die Einrichtung einer Mülldeponie im unmittelbaren Umfeld von Blahaǔščyna anzuführen –, wurden nun zögerlich Gedenksteine an Orten eingerichtet, die direkt mit den Massenmorden während der Besatzungszeit zusammenhängen.

Albert Saukitens zeigt 1962 im Rahmen von Ermittlungen der sowjetischen Behörden auf die Waldlichtung Blahaŭščyna

Albert Saukitens zeigt 1962 auf die Waldlichtung Blahaǔščyna 

In die 1960er Jahre fallen auch die Ermittlungen gegen Albert Saukitens. Sowjetische Behörden machten ihn 1962 als Mitglied einer lettischen Einheit ausfindig, die in Maly Trascjanec beschäftigt und an den Massenermordungen in Maly Trascjanec beteiligt gewesen war.2 Am 25. September 1962 begaben sich sowjetische Ermittler gemeinsam mit Saukitens zurück an den Vernichtungsort. Hier musste er ihnen unter anderem zeigen, wo die Massenerschießungen stattgefunden hatten, wo er hatte Wache stehen müssen und wie das ehemalige SD-Lager aufgebaut gewesen war. Auf der Fotografie von Saukitens vor der Waldlichtung bei Blahaǔščyna wird ersichtlich, dass der während der Besatzungszeit gerodete Wald noch nicht nachgewachsen ist. 

Inhaltlich verantwortlich: Tatjana Rykov

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1 Vgl. Dalhouski, Transformation, S. 121; Novikau/Saal, Gedenken, S. 401.

2 Vgl. Eulenburg/Kerpel-Fronius/Neumärker, Vernichtungsort, S. 174.