Die Entstehung der Gedenkstätte

Im Laufe der 2000er Jahre rückte die öffentliche Debatte um ein Gedenkstättenprojekt in Maly Trascjanec zunehmend in den Fokus medialer Berichterstattung, was dazu führte, dass das Thema an politischer Relevanz gewann und zunehmende internationale Aufmerksamkeit erlangte. Durch das daraus resultierende Projekt wurde Maly Trascjanec zu einem Ort transformiert, der immer stärker als Ort des Gedenkens wahrgenommen wurde.

"Wald der Namen"

Der "Wald der Namen"

Für das Gedenkstättenprojekt Maly Trascjanec fand 2010 ein vom Präsidenten Aljaksandr Lukaschenka ausgerufener, nationaler Wettbewerb für die Umsetzung des zentralen Denkmals statt, aus dem der Bildhauer Konstantin Kostjučenko mit seinem Entwurf für die „Pforte der Erinnerung“ als Sieger hervorging. Das wachsende Zivilengagement bezüglich des Wunsches eines Gedenkortes im Wald Blahaǔščyna führte 2009 zur Gründung des Vereins IM-MER (Initiative Malvine – Maly Trostinec in Erinnerung) unter der Leitung von Waltraud Barton aus Österreich.1 2010 begann der Verein mit dem groß angelegten Projekt "Wald der Namen". Um die Opfer des Vernichtungsortes sichtbar zu machen, wurden ihre Namen und Lebensgeschichten auf Schilder gedruckt und auf Bäume bei Blahaǔščyna angebracht. Das Projekt läuft bis heute.

"Der Weg des Todes" Blahaǔščyna

Denkmal "Der Weg des Todes" bei Blahaǔščyna

Im März 2013 präsentierte der Architekt Leonid Levin das Modell „Der Weg des Todes“ auf der Konferenz „Der Vernichtungsort Trostenez in der europäischen Erinnerung".2 Das Areal des ehemaligen Vernichtungsortes wurde für die Umgestaltung zu einem Gedenkort in verschiedene Abschnitte geteilt. Am 22. Juni 2015 wurde auf dem Gelände des ehemaligen Arbeitslagers der Gedenkort mit der „Pforte der Erinnerung“ sowie Informationstafeln eröffnet.3 Die Bauarbeiten am Gedenkfriedhof Blahaǔščyna und am "Weg des Todes" begannen im August 2017 und wurden 2018 abgeschlossen.

Vogelperspektive der Gedenkanlage Blahaǔščyna

Vogelperspektive der Gedenkanlage Blahaŭščyna

Im Rahmen der Entstehung des Denkmals an der ehemaligen Erschießungsstätte hatten Zivilakteure, wie etwa Bürgerinitiativen, weniger Möglichkeiten, sich in die Planung mit einzubringen. Dieser Gedenkort wurde von staatlichen Akteuren geplant. Als Vorlage für die heutige Anlage diente die Skizze, die die Außerordentliche Staatliche Komission der Sowjetunion 1944 gefertigt hatte. Bei Blahaǔščyna befindet sich heute eine gepflegte Rasenfläche, die während der Umbauphase von Forscher:innen oberflächlich auf Fundstücke hin untersucht wurde. Die Einweihung der Gedenkstätte fand 2018 mit internationalen Gästen aus Belarus, Deutschland, Österreich, Tschechien und Polen statt. Die Anlage verkörpert heute nicht nur einen Gedenkort, sondern auch einen Ort des historischen Lernens.4

Massiv der Namen Süd-Ost-Ansicht

Das "Massiv der Namen"

Am 28. März 2019 wurde das Denkmal „Massiv der Namen“ eingeweiht. Nahe der „Pforte der Erinnerung“ steht seitdem das mit knapp 1.000 Vornamen von deportierten Jüdinnen und Juden aus Wien nach Maly Trascjanec versehene Denkmal. Ermöglicht wurde die Umsetzung durch die Recherchearbeit des Vereins IM-MER, durch die die Namen vieler Gefangenen herausgefunden werden konnten. Unter ihnen finden sich in erster Linie Namen von Jüd:innen aus Österreich. Die Namen von belarusisch-jüdischen Menschen sind kaum vertreten und bis heute größtenteils unbekannt; begründet liegt dies vor allem darin, dass keine Deportationslisten oder andere mit Namen versehene Dokumente der ermordeten Menschen aus Belarus erhalten geblieben sind.Anna Aksjonowa, wissenschaftliche Projektleiterin der Gedenkstätte Maly Trascjanec beschreibt das Projekt wie folgt:

„Auf internationaler Ebene ist er [der Gedenkort] ein Teil der gemeinsamen europäischen Erinnerungskultur und erinnert an die nationalsozialistische Völkermordpolitik gegenüber der Zivilbevölkerung Europas. Nach der Opferzahl ist Trostenez der viertgrößte Vernichtungsort der NS-Zeit nach Auschwitz, Majdanek und Treblinka. - Auf nationaler Ebene ist Trostenez ein Teil der nationalen Geschichte, ein Inbegriff des Kampfes und der Herausforderungen des Zweiten Weltkrieges. – Auf individueller Ebene ist Trostenez ein Ort der gesamtgesellschaftlichen und persönlichen Erinnerung für Zeitzeugen, zahlreiche Nachfahren der Häftlinge und alle Menschen, die den humanistischen Werten unddem guten Willen folgen.“⁶

2018 wurde im Rahmen des Ausbaus der Gedenkanlage ein Gedenkstein im "Wald der Namen" platziert.

Inhaltlich verantwortlich: Charlotte Vöhl

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1 Vgl. Initiative Malvine- Malyj Trostenic erinnern. URL: http://www.waltraud-barton.at/immer/de/home.html [zuletzt abgerufen am 06.03.2022].

2 Vgl. Internationales Bildungs- und Begegnungswerk, Der Lern- und Erinnerungsort Trostenez. und die Konderenz "Gedenken für eine gemeinsame europäische Zukunft", S. 5.

3 Vgl. Dalhouski,Transformation, S. 125.

4 Vgl. ebd., S. 126.

5 Vgl. ebd., S. 128.

6  Junge-Wentrup, Der Vernichtungsort Trostenez in der Europäischen Erinnerung. Materialien zur Internationalen Konferenz vom 21.-24. März 2013 in Minsk, S. 46.