Georg Heuser, SS-Obersturmführer

Als Leiter der Abteilung V der Dienststelle des Kommandeurs der Sicherheitspolizei (KdS) in Minsk war Georg Heuser (*27. Februar 1913 in Berlin, †30. Januar 1989 in Koblenz) ab Sommer 1943 Mitglied des "Sonderkommandos 1005". Damit war er maßgeblich an der Exhumierung von Massengräbern im Großraum Minsk beteiligt. Erst 1958 wurde er für diese Verbrechen verhaftet.

Portrait Georg Heuser

Portrait Georg Heuser

Georg Albert Wilhelm Heuser wurde am 27. Februar 1913 in Berlin geboren. Nach der Volksschule besuchte er das Gymnasium und erlangte im März 1932 das Abitur. Ab dem Sommersemester 1932 nahm Heuser ein Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Berlin, Königsberg sowie Prag auf und legte im Juli 1936 das erste juristische Staatsexamen ab. Aus dem zwischenzeitlich aufgenommenen Vorbereitungsdienst schied Heuser wieder aus und trat im Dezember als Kriminalkommissar-Anwärter in den Dienst der Kriminalpolizei Berlin.1

Im Zuge seiner polizeilichen Ausbildung durchlief Georg Heuser alle Fachbereiche der Kriminalpolizei und war hierbei unter anderem auch beim Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (SD) tätig. Im Mai 1940 absolvierte er den Lehrgang zum Kriminalkommissar in Berlin und schloss diesen als Lehrgangsbester ab. Im Anschluss wurde Heuser als Hilfskriminalkommissar eingesetzt, Im Juli 1941 wurde er Kriminalkommissar auf Probe und im Oktober 1941 zum Kriminalkommissar ernannt.2 Im September 1941 wurde Georg Heuser, der den Rang eines SS-Offiziers (Obersturmführer) bekleidete, zur Einsatzgruppe A nach Riga kommandiert.

Nach einer zwischenzeitlichen Tätigkeit beim Sonderkommando 1b in Tosno (im heutigen Russland) wurde Heuser im November oder Dezember 1941 nach Minsk zur Dienststelle des Kommandeurs der Sicherheitspolizei und des SD (KdS) Weissruthenien, der späteren Dienststelle des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD Russland-Mitte und Weissruthenien (BdS) versetzt, der er bis Ende Juni 1944 angehörte. Georg Heuser übernahm im Mai 1942 die Führung der Abteilung IV des KdS und im Herbst 1943 die auf Gegenspionage spezialisierte Abteilung N. Ab Sommer 1943 gehörte er zum "Sonderkommando 1005" und beteiligte sich an der Exhumierung von Massengräbern im Großraum Minsk.3

Ab August 1944 übernahm der zwischenzeitlich zum SS-Hauptsturmführer ernannte Georg Heuser die Führung des Einsatzkommandos 14 in Brün und war in der Partisanenbekämpfung tätig. Im März 1945 kam Heuser als Führer einer Kampfgruppe im Raum Krems/Donau zum Einsatz.4 Nach der Kapitulation Deutschlands konnte sich Heuser zunächst einer Gefangennahme und Strafverfolgung entziehen. Nach Zwischenstationen in Goslar und Mutterstadt, wo er verschiedene Tätigkeiten als Rechtsanwalt und Kaufmann ausübte, verzog Georg Heuser 1949 nach Ludwigshafen. 1954 wurde Georg Heuser als Führungskraft wieder in den Polizeidienst aufgenommen. Im Januar 1955 übernahm er die Leitung der Kriminalpolizei Kaiserslautern.5

Dienstausweis Georg Heuser

Dienstausweis Georg Heuser

Im Juli 1956 wurde Heuser zum Landeskriminalamt (LKA) in Koblenz versetzt und dessen stellvertretender Leiter. Nach seiner Beförderung zum Kriminalrat, einem deutlichen Karriereschritt vom gehobenen in den höheren Polizeivollzugsdienst, wurde er im Januar 1958 zum Leiter der Behörde berufen. Zwischenzeitlich nahm die Justiz Ermittlungen gegen einen Offizier mit dem Namen "Häuser" auf. Durch die Aussage Erich Ehrlingers, Heusers ehemaligem Vorgesetzten in Minsk, wurde der Fehler korrigiert und nun nach Georg Heuser gesucht. Am 14. Juli 1958 wurde Haftbefehl erlassen und Heuser festgenommen. Im Verlauf der Befragungen durch Justiz und Polizei leugnete Heuser die ihm zur Last gelegten Tatvorwürfe, wurde durch Zeugenaussagen jedoch schwer belastet.6

Inhaltlich verantwortlich: Johanna Schweppe, Frank Wobig

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1 Vgl. LG Koblenz: Lfd-Nr. 552, JuNSV Bd. XIX, S.167ff und Matthäus, Georg Heuser - Routinier des sicherheitspolizeilichen Osteinsatzes, in: Mallmann/Gerhard (Hrsg.): Karrieren der Gewalt. Nationalsozialistische Täterbiographien, S. 115.
2 Vgl. LG Koblenz: Lfd-Nr. 552, JuNSV Bd. XIX, S.167ff und Matthäus, Georg Heuser - Routinier des sicherheitspolizeilichen Osteinsatzes, in: Mallmann/Gerhard (Hrsg.): Karrieren der Gewalt. Nationalsozialistische Täterbiographien, S. 115.
3 Vgl. LG Koblenz: Lfd-Nr. 552, JuNSV Bd. XIX, S.167ff und Klee, Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, S. 251.
4 Vgl. LG Koblenz: Lfd-Nr. 552, JuNSV Bd. XIX, S.167ff sowie Klee, Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, S.251.
5 Vgl. ebd. sowie Matthäus, Georg Heuser - Routinier des sicherheitspolizeilichen Osteinsatzes, in: Mallmann/Gerhard (Hrsg.): Karrieren der Gewalt. Nationalsozialistische Täterbiographien, S. 119f.
6 Vgl. ebd.