Hintergrund

Am 28. Juni 1941, wenige Tage nach dem nationalsozialistischen Überfall auf die Sowjetunion, wurde Minsk durch die Wehrmacht eingenommen und weitgehend zerstört. Unmittelbar darauf begann die systematische Ermordung von jüdischen Menschen, der Intelligenzija und Gegnern des nationalsozialistischen Systems auf dem Gebiet von Belarus.

Warnschild vor dem Lager Maly Trascjanec

Warnschild vor dem Lager Malyj Trascjanec, 1944

Erklärte Kriegsziele der deutschen Besatzer waren die "Eroberung von Lebensraum im Osten", die "Unterwerfung" der slawischen Bevölkerung und die Ermordung aller jüdischer Menschen.1 Den Einheiten der Wehrmacht folgten Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD sowie weitere Sondereinheiten: Die Täter knüpften nahtlos an die im seit 1939 besetzten Polen angewandten Methoden zur Unterdrückung jüdischer Menschen an. Viele Jüdinnen und Juden wurden ermordet, rund 85.000 wurden in das am 19. Juli 1941 eingerichtete Ghetto gebracht und zur Zwangsarbeit genötigt. Sie ermordeten bis Ende 1941 rund eine halbe Million jüdischer Frauen, Kinder und Männer auf sowjetischem Boden.2

Im April 1942 wurde die ehemalige Kolchose "Karl Marx" nahe des Dorfes Maly Trascjanec zu einem Lager umgewandelt und im Wald von Blahaǔščyna eine Exekutionsstätte eingerichtet. Bis 1944 wurden bei Maly Trascjanec bis zu 60.000 jüdische Menschen, Mitglieder der Intelligenzija und Gegner der nationalsozialistischen Ideologie in den Wäldern von Blahaǔščyna und Šaškoǔka erschossen oder in Gaswagen ermordet. Ab Oktober 1943 begann das „Sonderkommando 1005“ unter Führung von SS-Standartenführer Paul Blobel, die Spuren der Massenmorde bei Maly Trascjanec zu beseitigen, die Leichen tausender Menschen zu exhumieren und zu verbrennen. Erst Ende Juni 1944, als die Rote Armee Minsk zurückeroberte, wurden die deutschen Besatzer zum Rückzug gedrängt.

Inhaltlich verantwortlich: Frank Wobig

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1 Vgl. Hillgruber, Andreas, Hitlers Strategie. Politik und Kriegführung 1940 - 1941, Frankfurt am Main. 2. Auflage 1982, S. 519f.
2 Vgl. IBB Dortmund; IBB Minsk; Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas: Vernichtungsort Maly Trostenetz. Geschichte und Erinnerung, Dortmund 2016, S. 44.