Blahaǔščyna

Blahaǔščyna bezeichnet eine südöstlich des Dorfes Maly Trascjanec gelegene Waldlichtung, in der die Besatzer ab 1942 Gegner der nationalsozialistischen Ideologie, Mitglieder der sowjetischen Intelligenzija sowie Jüdinnen und Juden ermordet wurden. Sie war bis Herbst 1943 die zentrale Exekutionsstätte im Umfeld von Maly Trascjanec.

Weggabelung, die nach Blahaǔščyna führt

Weggabelung, die nach Blahaǔščyna führt

Die Menschen, die nicht zur Zwangsarbeit im Lager Maly Trascjanec einbehalten wurden, brachte man zu einer mehrere Kilometer entfernten Waldlichtung mit dem Namen Blahaǔščyna. Sie mussten sich entlang einer bereits ausgehobenen Grube aufstellen und die Besatzer emordeten sie durch einen Nackenschuss. Ihre leblosen Körper sollten direkt in die Grube fallen, um zusätzliche Arbeitsschritte zu vermeiden.

Andere Gefangene hatten danach die Aufgabe, die Leichen nach Wertgegenständen und Gold abzusuchen. Dieses Vorgehen wurde wiederholt, bis die Grube mit Leichen gefüllt war; anschließend mussten Zwangsarbeiter:innen die Grube zudecken und eine neue ausheben. Die Massengräber waren teilweise bis zu 50 Meter lang.

Skizze der ČGK von der Waldlichtung bei Blahaǔščyna aus dem Juli 1944

Skizze der Außerordentlichen Staatlichen Komission der Sowjetunion von der Waldlichtung bei Blahaǔščyna aus dem Juli 1944

Im Rahmen der ab Oktober 1943 anlaufenden "Aktion 1005" wurden sowjetische Kriegsgefangene dazu gezwungen, die Massengräber bei Blahaǔščyna zu exhumieren. Als Dank versprach man ihnen die Freiheit; allerdings wurden sie später ebenso ermordet wie die anderen Gefangenen auch.

Die ČKG identifizierte bei ihrer Untersuchung des Waldstücks Blahaǔščyna 34 Massengräber, die nach Hochrechnungen jeweils bis zu 5.000 Leichen enthielten.1 Parallel zu den Erschießungen wurden ab Juni 1942 auch Gaswagen verwendet: In ihren luftdicht verschlossenen Laderäumen wurden hunderte Menschen durch die Einleitung von Abgasen ermordet. In der lokalen Bevölkerung wurden diese Wagen als „Seelentöter“ bezeichnet.

Unter anderem aufgrund der "Aktion 1005" kann die Anzahl der bei Blahaǔščyna ermordeten Menschen nicht genau beziffert werden. Die Größe der Massengräber wurde durch die Exhumierungen verzerrt, sodass die Angaben der Außerordentlichen Staatlichen Komission der Sowjetunion (ČKG) – die allein für Blahaǔščyna eine Anzahl der Todesopfer von 150.000 Menschen angab3 – kritisch zu hinterfragen sind. Mit dem Beginn der Spurenbeseitigungsaktion "1005" wurde die Mordstätte der nationalsozialistischen Besatzer verlagert: Im Waldstück Šaškoǔka, südlich des Lagers, wurde Ende 1943 ein provisorisches Krematorium eingerichtet. 

Inhaltlich verantwortlich: Paulin Wandschneider

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1 Vgl. Rentrop, Maly Trostinez, in: Benz/Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, S. 573–587.
2 Vgl. Gerlach, Kalkulierte Morde.
3 Vgl. Kohl, Vernichtungslager Trostenez, S. 20; Rentrop, Tatorte der Endlösung, S. 226f.